Changes in Japanese Legal Education

Andrew R. J. Watson

Empfohlene Zitierweise: A. R. Watson, Changes in Japanese Legal Education, in: ZJapanR / J.Japan.L. 41 (2016) 1–54.

Abstract


Dieser Beitrag erläutert zunächst die Charakteristika des bisherigen Systems der Juristenausbildung in Japan. Er stellt die an diesem geübte Kritik vor und beschreibt dann im Kontext einer weitreichenderen Gesellschafts- und Wirtschaftsreform den Hintergrund des Judicial Reform Council und dessen Kernempfehlungen einschließlich der Schaffung von Law Schools als der bedeutendsten Entwicklung in der japanischen Juristenausbildung in den letzten 60 Jahren. Es folgt ein Blick zurück auf die Vorbereitung und schließlich Eröffnung der Law Schools. Es werden die Faktoren beschrieben, die verhindert haben, dass die mit ihr verfolgten Ziele erreicht wurden. Ferner wird dargestellt, wie Law Schools, Studenten und Kommentatoren darauf reagiert haben. Der Beitrag benennt auch die erreichten Erfolge der Law Schools, gibt abschließend einen Ausblick auf deren Zukunft und unternimmt den Versuch einer Einordnung in den internationalen Kontext.

Zu Beginn des letzten Jahrzehnts sah die japanische Regierung eine Reform des Rechtssystems als Schlüssel zur Ordnung der Gesellschaft und zur Lösung von Konflikten. Man erwartete, dass deren Zahl steigen würde, da das Land sich weg von einer zentralen Planung und Führung durch die Verwaltung hin zu einem freien Markt, Individualismus, persönlicher Selbstbestimmung und weitreichender Teilnahme an der Globalisierung entwickelte. Zentral für das Vorhaben der Regierung war die Schaffung von Law Schools für Graduierte, welche sowohl die als auch die Fähigkeiten des Berufsstands der Juristen ausbauen sollte.

Das markanteste und wohl am meisten kommentierte Charakteristikum des alten Systems, ein Staatsexamen (National Legal Examination), welches von zehntausenden Kandidaten durchlaufen, aber nur von durchschnittlich 2,5% bestanden wurde, verschwand mit der Einführung der Law Schools im Jahr 2004.

Obwohl die Law Schools ein intellektuell tieferes, kritischeres und reflektiertes Verständnis des Rechts sowie viele nützliche juristische Fähigkeiten vermitteln könnten, wurden sie daran gehindert, dies zu tun. Zum einen ermöglichte eine Entscheidung aus dem Jahr 2003 die Schaffung von weitaus mehr Law Schools als ursprünglich vorgesehen, zum anderen weigerte sich die Regierung, die Zahl der Absolventen, welche das Staatsexamen bestehen dürfen, auf die ursprünglich anvisierte Zahl anzuheben, da sich der Bedarf an rechtlichen Dienstleistungen entgegen den Erwartungen nicht erhöhte. Die Summe dieser Ursachen führte dazu, dass die Bestehensquote sank. Die nachvollziehbare Sorge seitens der Studenten und ihrer Lehrer um den Erfolg im Staatsexamen veranlassten in vielen Law Schools eine Konzentration auf prüfungsrelevante Inhalte und eine Marginalisierung der nicht prüfungsrelevanten, aber dennoch nutzbringenden Inhalte. Darüber hinaus kehrten Charakteristika des alten Systems zurück, etwa dass Studenten Repetitoren (cram schools) besuchten, um die Prüfungstechniken zu erlernen, und dafür sogar dem Unterricht der Law Schools fernblieben.

Eine beträchtliche Angst, das Staatsexamen nicht zu bestehen, erhebliche Kosten der Ausbildung und unsichere Berufs- und Gehaltsaussichten verdichteten sich zu einem von einem Professor so beschriebenen „process of suffering“, der dazu führte, dass die Zahl der Einschreibungen insbesondere an den Law Schools mit schlechten Examensergebnissen zurückging.

Die meisten Law Schools erlitten Kürzungen der staatlichen Zuschüsse. Zur Zeit der Erstellung dieses Beitrags hatten 23 von 74 Law Schools aufgehört, neue Studenten aufzunehmen, und es wird erwartet, dass mehr folgen und viele schließen werden, wenn ihre derzeitigen Studenten abgegangen sind.

Ein erheblicher Rückgang an Studienplätzen und Bewerbern – viele Law Schools berichten von einem Bewerbermangel – dürften wohl dazu führen, dass weniger Kandidaten das Staatsexamen schreiben und die Bestehensquote steigen wird, auch wenn die Zahl derjenigen, die bestehen dürfen, weiterhin auf 1.500 beschränkt bleibt. Befreit von erheblichem Konkurrenzdruck und der enormen Prüfungsangst ihrer Studenten können die übrig gebliebenen Law Schools möglicherweise die vertiefte und breitere Rechtsausbildung leisten, die bereits vor über einem Jahrzehnt vom Judicial Reform Council angeregt worden war: Dies jedenfalls ist die optimistische Vorhersage einiger Law School-Professoren.

Große Aufregung herrscht an den Law Schools angesichts der sogenannten Preliminary Examination, eingeführt im Jahr 2011, welche es erfolgreichen Kandidaten erlaubt, das Staatsexamen zu schreiben, ohne vorher eine Law School besucht zu haben. Kritiker bemängeln, dass diese Prüfung, gedacht für Personen, welche Juristen werden wollen, die Kosten eines Studiums an einer Law School aber nicht tragen können, oder diejenigen, die bereits juristische Berufserfahrung gesammelt haben, sich zu einer Abkürzung für Studenten der juristischen Fakultäten sowie Studenten der Law Schools entwickelt hat, um direkt zum Staatsexamen zugelassen zu werden. Es wird befürchtet, dass dies sich zu einer ernsthaften Bedrohung für die Law Schools entwickeln wird, falls die Zahl derjenigen, die diese Prüfung bestehen, zunehmen wird.

(Die Redaktion)


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