Mass Accidents: A Challenge for Tort Law Comparative Analysis of Alternative Compensation Schemes in Japanese and French Law

Jonas Knetsch

Empfohlene Zitierweise: J. Knetsch, Mass Accidents: A Challenge for Tort Law Comparative Analysis of Alternative Compensation Schemes in Japanese and French Law, in: ZJapanR / J.Japan.L. 41 (2016) 205–220.

Abstract


Wie kaum ein anderes Rechtsgebiet ist das moderne Entschädigungsrecht Abbild der sozialen und technologischen Umwälzungen unserer Zeit. Das traditionelle Haftungsrecht strebt den Ersatz von Schäden an Personen oder Sachen an, die durch das Fehlverhalten eines Dritten oder dessen gefährlicher Handlung entstanden sind. Bei der rechtlichen Bewältigung von Massen- und Katastrophenschäden stößt das überkommene Bürgerliche Recht jedoch immer öfter an seine Grenzen. Ziel der folgenden Abhandlung ist es, die gesetzgeberischen Ansätze zur Entschädigung von Opfern akuter Krisensituationen im Bereich der öffentlichen Gesundheit, des Umweltschutzes und der Anlagensicherheit zu untersuchen. Besondere Berücksichtigung findet hierbei die Rechtsentwicklung innerhalb des japanischen Rechts, die mit der des französischen Rechts verglichen werden soll.

Wie so oft auf dem Gebiet der Rechtsvergleichung trügt der Eindruck eines grundsätzlichen Gegensatzes zwischen kontinentaleuropäischer Gesetzestradition und fernöstlichem Rechtsverständnis. Zwar zeichnet sich das japanische Recht dadurch aus, dass bereits im Jahre 1973 Entschädigungskommissionen für Opfer von massiven Umweltverschmutzungen errichtet wurden. Japan nahm deswegen sehr früh eine Vorreiterstellung im Bereich der alternativen Kompensationsmodelle ein, welche durch die Post-Fukushima-Gesetzgebung jüngst bestätigt wurde. Nichtsdestoweniger bietet auch das heutige französische Recht mit zahlreichen Entschädigungsfonds eine (wenn auch nicht immer gleichwertige) Alternative zum herkömmlichen Haftungsprozess.

Neben der Errichtung alternativer Entschädigungsmechanismen ist jedoch auch das zivilrechtliche Haftungsrecht durch Haftungsprozesse in Folge von Umweltkatastrophen oder Arzneimittelkrisen in beiden Ländern nachhaltig beeinflusst worden. Das Bild des „ge­richtsscheuen Japaners“, welches seit den 60er Jahren vor allem in Europa und Nordamerika propagiert wird, ist durch die grundlegenden Umwelthaftungsprozesse in Japan ad absurdum geführt wurden. Sowohl in Europa als auch im Fernen Osten haben es gerade derlei Großprozesse vermocht, wichtige Impulse zur Weiterentwicklung des Haftungsrechts zu geben, sei es auf dem Gebiet der Voraussetzungen oder hinsichtlich des Ausmaßes des zu leistenden Schadensersatzes.


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