“Unnatural Deaths,” Criminial Sanctions, and Medical Quality Improvement in Japan

Robert B Leflar

Empfohlene Zitierweise: R. B. Leflar, “Unnatural Deaths,” Criminial Sanctions, and Medical Quality Improvement in Japan, in: ZJapanR / J.Japan.L. 29 (2010) 5–52.

Abstract


Vermeidbare Schäden infolge einer suboptimalen medizinischer Behandlung sind in Japan ähnlich verbreitet wie in anderen entwickelten Ländern. Hier wie dort ist in den letzten Jahren die Frage verstärkt ins Blickfeld gerückt, wie durch strukturelle Reformen die Zuverlässigkeit der medizinischen Versorgung verbessert und ein aufrichtiger Umgang mit dem Patienten befördert werden kann. Dabei zeigt ein internationaler Vergleich in der Herangehensweise durchaus große Unterschiede. Die Situation in den Vereinigten Staaten ist durch eine Flut zivilrechtlicher Arzthaftpflichtprozesse und − als Reaktion auf diese − eine deutliche Tendenz zur Defensivmedizin gekennzeichnet. Im japanischen Beispiel sticht demgegenüber − nicht minder problematisch − die starke Betonung strafrechtlicher Sanktionen hervor.

Die vorliegende Abhandlung verdeutlicht zunächst (Teil I), dass die prominente Rolle des Strafrechts für die Verhaltenssteuerung in der medizinischen Praxis in Japan auf ein Verantwortungsvakuum zurückzuführen sein dürfte, welches durch die Schwäche anderer institutioneller Mechanismen bedingt und mangels Alternative vom Strafrecht gefüllt wird.

Anschließend (Teil II) geht der Autor auf die anfänglichen Bemühungen des japanischen Gesundheitsministeriums ein, vor dem Hintergrund erhöhter Medienaufmerksamkeit dem beträchtlichen Informationsdefizit zu begegnen, welches bisher bezüglich der Art und dem Ausmaß des Problems besteht. Dieses führt der Autor auch darauf zurück, dass es in Japan häufig die Polizei ist, welche die Todesursache in Fällen möglicher Behandlungsfehler untersucht. Hintergrund ist die sehr kontrovers diskutierte strafbewehrte Pflicht zur Anzeige „unnatürlicher Todesfälle“, die von der japanischen Rechtsprechung auch auf Fälle möglicher medizinischer Fehler erstreckt wird.

In einem dritten Schritt (Teil III) wird schließlich ein Modellprojekt beschrieben, mit dem in den Jahren von 2005 bis 2010 in zehn japanischen Provinzen Informationen über Todesfälle im Zusammenhang mit medizinischen Behandlungen gesammelt wurden. Dabei wurde Krankenhäusern die Möglichkeit eröffnet, in kritischen Fällen eine umfassende Autopsie durch ein unabhängiges Team medizinischer Experten durchführen zu lassen. Deren Befund wird anschließend veröffentlicht. Während das Projekt Stärken und Schwächen offenbart hat, werden gegenwärtig verschiedene Gesetzesentwürfe diskutiert, welche die Erkenntnisse des Modellprojekts in unterschiedlicher Form fruchtbar zu machen suchen. Ihnen ist gemein, dass sie die prominente Rolle des Strafrechts beim Umgang mit ärztlichem Fehlverhalten zurückdrängen würden. Nach Ansicht des Autors könnte eine Strukturreform auf der Basis unabhängiger Expertenuntersuchungen Behandlungsfehlern künftig durchaus auch für andere Länder interessantes Anschauungsmaterial liefern, um die Transparenz und die Zuverlässigkeit der medizinischen Versorgung zu erhöhen.

(d. Red.)


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