Less than Family: Surrogate Birth and Legal Parent-Child Relationships in Japan

Melissa Ahlefeldt

Empfohlene Zitierweise: M. Ahlefeldt, Less than Family: Surrogate Birth and Legal Parent-Child Relationships in Japan, in: ZJapanR / J.Japan.L. 32 (2011) 65–96.

Abstract


Japan verfügt über kein Gesetz zu künstlichen Methoden der Fortpflanzung. Im Falle der  Leihmutterschaft können die (lediglich) genetischen Eltern nur eine rechtliche Verwandtschaft mit dem Kind im japanischen Familienregister(koseki) eintragen lassen, indem sie  eine der drei bestehenden Arten der rechtlichen Eltern-Kind-Beziehung des japanischen  Familienrechts  nutzen:  die  „natürliche“  Verwandtschaft,  die  Adoption  und  die  Sonderadoption. Im Jahr 2007 enttäuschte der Oberste Gerichtshof (OGH) die Hoffnungen der  japanischen Schauspielerin Aki Mukai und ihres Ehemannes, des ehemaligen Profi-Sumoringers Nobuhiko Takada, ihre aus eigenem Spermium und eigener Eizelle gezeugten und  durch eine „nur biologische“ Mutter in Leihmutterschaft geborenen Zwillinge als „natürliche“ Kinder anzuerkennen. Die Entscheidung des OGH bedeutet, dass die einzige Möglichkeit der genetischen Eltern, eine rechtliche Beziehung zu ihren Kindern herzustellen,  in  einer  Adoption  oder  einer  Sonderadoption  besteht.  Allerdings  haben  so  adoptierte  Kinder weniger Rechte als „natürliche“ Kinder, u.a.in Bezug auf ihre Aufnahme in das  koseki und ihre Staatsbürgerschaft. Eine Untersuchung desjapanischen Familienrechts  und der Entscheidung des OGH im Fall Aki Mukai unter Berücksichtigung der Kritik der  „Ideologie  der  Kernfamilie“  zeigt,  dass  das  japanische  Recht  das  Vorhandensein  einer  rechtlichen  Eltern-Kind-Beziehung  bei  der  Mutter  anhand  der  Geburt  und  beim  Vater  anhand einer Ehe mit der Mutter, die das Kind geboren hat, bestimmt, was die Ideologie  der Kernfamilie bekräftigt. Zwar sind Eltern-Kind-Beziehungen aufgrund von Rechtsgeschäften möglich, sie haben aber nicht denselben rechtlichen und sozialen Charakter wie  die auf Blutsverwandtschaft basierenden. Der Wert, der der „Blutsverwandtschaft“ im japanischen Recht zugebilligt wird, spiegelt sich auch in der Gesellschaft. In ihr wird die Persönlichkeit adoptierter Kinder negativ bewertet, was zur Stigmatisierung und Diskriminierung adoptierter Kinder führen kann. Das koseki verzeichnet adoptierte und „natürliche“  Kinder  auf  verschiedene  Weise  und  fördert  somit  die soziale  Diskriminierung.  Durch  Leihmutterschaft  geborene  adoptierte  Kinder  werden  potenziell  der  gleichen  Stigmatisierung  ausgesetzt,  obwohl  sie  mit  ihren  sozialen  Eltern  auch  genetisch  verwandt  sind.  Der vorliegende Aufsatz kritisiert Ansichten, die auf der „modernen“ Familienideologie  des japanischen Rechts beruhen, und bewertet die gesellschaftliche und rechtliche Rolle,  die das koseki für die Diskriminierung von Kindern aus Leihmutterschaft in Japan spielt.  Es wird gefolgert, dass bei Leihmutterschaft die Herstellung einer rechtlichen Eltern-Kind Beziehung lediglich auf Grundlage einer Adoption weder im Interesse der so geborenen  Kinder, noch der Leihmutter, noch ihrer gesellschaftlichen Eltern liegt. Der Aufsatz will  dazu anregen, in anderen Ländern dem Recht der Eltern-Kind-Beziehungen zugrundeliegende Annahmen und die Auswirkungen des Adoptionsrechts auf die durch Leihmutterschaft geborenen Kinder zu überdenken.  

(Übers. sowie Ergänzungen durch die Red.)


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