Der Schutz der Privatsphäre gegenüber Medien in Deutschland und Japan: Eine rechtsvergleichende Untersuchung der zivilrechtlichen Schutzinstrumente

Meiko Dillmann

Empfohlene Zitierweise: M. Dillmann, Der Schutz der Privatsphäre gegenüber Medien in Deutschland und Japan: Eine rechtsvergleichende Untersuchung der zivilrechtlichen Schutzinstrumente, in: ZJapanR / J.Japan.L. 35 (2013) 259–283.

Abstract


ZUSAMMENFASSUNG Die vergleichende Analyse des Schutzes der Privatsphäre gegenüber Medien in Deutschland und Japan hat weitgehende Parallelen und vergleichbare Problemstellungen, aber auch einige zentrale Unterschiede aufgezeigt. Die Ursachen für die Unterschiede könnten sowohl in strukturellen Unterschieden des Deliktsrechts als auch in abweichenden wertungsmäßigen Entscheidungen liegen; tatsächlich spielen wohl beide Aspekte eine Rolle. Einen ersten Unterschied bildet die zentrale Rolle, die der Aspekt der Wahrung von sozialem Ansehen und Ehre in der Begründung des Schutzes in Japan spielt. Im Bereich der Rechtsfolgen ist zum einen bemerkenswert, dass der Schadensersatz, der in Deutschland nur subsidiär zum Einsatz kommt, in Japan die zentrale Rolle spielt und im Vergleich zu Beseitigungs- und Wiederherstellungsmaßnahmen sogar den unkomplizierteren und unproblematischeren Rechtsbehelf darstellt. Ein dem japanischen Recht eigentümlicher Rechtsbehelf ist dabei die Entschuldigungsanzeige, mit der der Verletzer zwangsweise zumindest äußerlich eine Entschuldigung für sein Tun erklären muss, und die in Japan die Rolle des deutschen Widerrufs übernimmt. Was den postmortalen Schutz der Persönlichkeit angeht, verfolgen das japanische und das deutsche Recht unterschiedliche Modelle, nämlich das deutsche Recht das Modell über eine Anerkennung von über den Tod hinaus fortbestehenden Rechten des Toten, das japanische Recht einen mittelbaren Schutz Toter über die Annahme einer Verletzung von Rechten der Angehörigen des Toten. Obwohl das deutsche Modell vordergründig eine größere Gewichtung der Rechte des Individuums zu zeigen scheint, ermöglicht das japanische Modell im Ergebnis letztlich sogar einen umfangreicheren Schutz als das deutsche Recht, indem es eine Geldentschädigung auch bei Verletzungen Toter ermöglicht. SUMMARY The comparative analysis of the protection of privacy against media in Germany and Japan has shown parallels in wide areas and similar topics, but at the same time also some major differences. The reasons for the differences might have their origin in structural differences of torts law as well as in differing attitudes and social valuations; it is most likely that both aspects are involved. One difference is the essential role which the aspect of maintenance of social reputation and honour plays in the justification of the protection in Japan. With regard to the legal consequences, it is on the one hand remarkable that monetary compensation, which is granted in Germany only subsidiarily, plays an essential role in Japan and is even the less complicate and less problematic legal measure as compared to mere removal and reestablishment measures. A legal measure which is peculiar for the Japanese law is the apology note, by which the violator is forced to at least formally declare an apology for his act. This is the functional equivalent of the German cancellation note. Regarding post-mortem protection of personality, Japanese and German law pursue differing models. German law follows a model recognizing rights of dead persons continuing beyond the death, while the Japanese law protects the dead person indirectly by assuming a violation of rights of next of kin of the dead person. At first sight, the German model seems to put more weight on the protection of the individual person, but after all the Japanese model results in an even more extensive protection than the German law, as it makes it possible to grant monetary compensation also in cases of violations regarding dead persons.

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