A Skeptic’s Guide to Miwa and Ramseyer’s “The Fable of the Keiretsu”

Dan W. Puchniak

Empfohlene Zitierweise: D. W. Puchniak, A Skeptic’s Guide to Miwa and Ramseyer’s “The Fable of the Keiretsu”, in: ZJapanR / J.Japan.L. 24 (2007) 273–290.

Abstract


In  ihrer  ambitionierten  Publikation  “The  Fable  of  the  Keiretsu”  stellen  Miwa und  Ramseyer die These auf, daß Akademiker der sogenannten „Ivy League“, Nobelpreisträger,  ein  Träger  des  „Pulitzer Prize“  und  so  gut  wie  alle  Japanexperten  die  japanische Volkswirtschaft der Nachkriegszeit unzutreffend dargestellt haben. Die Autoren  leiten  ihre  These  aus  einer  präzisen  und  logischen  Anwendung  neuer  empirischer  Forschung  auf  die  allgemein  als  zentrale  Bausteine  der  japanischen  Nachkriegswirtschaft  angesehenen  Institutionen  keiretsu,  main  banks und  staatlich  gesteuertes  Wirtschaftswachstum ab, deren Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes in der  bislang  herrschenden  konventionellen  Interpretation maßlos  übertrieben  worden  sei.  Bedauerlicherweise beschränken sich die beiden Verfasser in ihrer Arbeit jedoch nicht  auf diese Feststellung, sondern versuchen über die Widerlegung überzogener Annahmen  hinaus aufzuzeigen, daß in der Vergangenheit eine japanbezogene „akademische Fabelwelt“  geschaffen  wurde.  An  diesen  Punkt  wird  aus  der  ansonsten  bahnbrechenden  Untersuchung eine irrationale Polemik, die ihr Ziel verfehlt.

Der  Besprechungsaufsatz  weist  die  logischen  Brüche  in  dem  Werk  nach,  die  eine  Folge der allzu ehrgeizigen (und nach wie vor unbewiesenen) These der Verfasser sind,  daß sämtliche der herkömmlich als wesentlich angesehenen Elemente der japanischen  Nachkriegswirtschaft  „akademische  Legenden“  seien.  Die  Rezension  zeigt  zum  einen  die Irrtümer in der von den Autoren aufgestellten marxistischen Verschwörungstheorie  auf,  greift  zum  anderen  die  Fragen  auf,  die  sich  aus  der  kühnen  Behauptung  der  Autoren  ergeben,  daß  der  Staat  bisher  keinerlei  lenkende  Rolle  im  japanischen  Wirtschaftsgeschehen gespielt habe, und weist drittens  nach, daß eine Reihe entscheidender  Nachweise in  dem  Buch fehlen.  Der  Aufsatz  weist  die Leser  besonders auf  ein „nicht  eingehaltenes  Versprechen“  der  Autoren  hin  und  belegt  am  Beispiel  einer  kurzen  Fallstudie die  Schwäche in  deren  zentraler  Annahme, daß es in  Japan  seit jeher  eine  reine Marktwirtschaft gegeben habe, die frei von Staatsinterventionen gewesen sei. Der  Rezensent stimmt den Autoren zu, daß alle an der japanischen Wirtschaft Interessierten  das Buch „kaufen, entleihen oder gar stehlen“ sollten, fügt jedoch hinzu, daß sie dann  zur  Unterstützung  der  Lektüre  zugleich  ein  Salzfaß  (und  nicht  nur  eine  Prise  Salz)  „kaufen,  entleihen  oder  gar  stehlen“  sollten  –  ein  Bild,  mit  dem  er  seine  dringende  Empfehlung zum Ausdruck bringt, das Buch von Miwa und Ramseyer mit einer gehörigen Portion Skepsis zu lesen.

(Dt. Übers. durch die Red.)


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