Japan auf dem Weg vom „Insiderparadies“ zu einer effektiven Regulierung des Insiderhandels

Markus Thier

Empfohlene Zitierweise: M. Thier, Japan auf dem Weg vom „Insiderparadies“ zu einer effektiven Regulierung des Insiderhandels, in: ZJapanR / J.Japan.L. 40 (2015) 147–181.

Abstract


Das aufgrund seiner Komplexität schwer zugängliche japanische Insiderrecht ist ein in westlicher Sprache bislang wenig erschlossenes Feld. Der Beitrag verschafft einen Überblick zur gegenwärtigen Struktur der japanischen Insiderregeln aus rechtsvergleichender Perspektive. Zudem wird auf die jüngste Reform zur Einführung einer Strafbarkeit für die Informationsweitergabe und das Verleiten zum Insiderhandel eingegangen, mit der eine im internationalen Vergleich bedeutende Lücke im japanischen Insiderrecht geschlossen wurde. Im Bereich der Rechtsdurchsetzung und Sanktionierung von Insiderhandel zeigen sich im Vergleich zum deutschen Recht ähnlich gelagerte Schwierigkeiten, was beispielweise hohe Verfahrenshürden im Strafrecht oder die zivilrechtliche Haftung wegen Insiderhandels betrifft. Andererseits verdeutlicht das Beispiel der Einführung einer verwaltungsrechtlichen Geldsanktion, dass das japanische Recht – mangels eines allgemeinen Rechts der Ordnungswidrigkeiten – eigenständige Sanktionsmittel und effiziente Verfahren entwickelt, um auch geringfügigere Verstöße gegen das Insiderhandelsverbot zu ahnden.

Die ursprünglich aus dem US-amerikanischen Recht entlehnten Regeln, allen voran eine fast wortgleiche Kopie der berühmten Rule 10 b-5, stellen ferner ein interessantes Beispiel für ein legal transplant dar, welches lange Zeit „totes Recht“ geblieben ist. Während sich auf Grundlage der Rechtsprechung in den USA ein differenziertes und effizientes Insiderregime entwickeln konnte, spielten die rezipierten Regeln in der japanischen Rechtswirklichkeit zur Bekämpfung von Insiderhandel jahrzehntelang keine Rolle. Zeitweise galt der japanische Kapitalmarkt als ein „Paradies für Insider“. Erst in jüngerer Vergangenheit hat das Insiderrecht in Japan erhebliche Bedeutung erlangt und findet in der japanischen Wissenschaft und Praxis zunehmend Beachtung. Die Beitrag stellt aus historischer Perspektive mögliche Gründe für die mangelnde Effektivität der Regeln in der japanischen Rechtswirklichkeit dar und verdeutlicht, wie die übernommenen Regeln in einem sich wandelnden Kontext zu einem praktisch bedeutsamen, eigenständigen Instrument zur Bekämpfung des Insiderhandels fortentwickelt wurden.


Volltext:

 Für die Beiträge der jeweils vier letzten Ausgaben der Zeitschrift stehen nur Abstracts zur Verfügung.