Evidence Law in Japan and Australia: Principles, Practice and Reform

Kayoko Ishida

Empfohlene Zitierweise: K. Ishida, Evidence Law in Japan and Australia: Principles, Practice and Reform, in: ZJapanR / J.Japan.L. 22 (2006) 77-88.

Abstract


Japan wird bis Mai 2009 ein System der Laienbeteiligung (saiban-in seido) bei schwer­wiegenden Strafrechtsfällen einführen. In den saiban-in Senaten werden drei Berufs­richter und sechs Laienrichter gemeinsam über die Schuldfrage und die Strafzumessung ent­scheiden. Die Einführung dieses Laienbeteilungssystems, das in seiner Ausgestal­tung einzig­artig ist und erstmals seit 50 Jahren wieder Laienrichter an der japa­nischen Recht­spre­chung beteiligt, hat Auswirkungen auf eine Reihe weiterer Gebiete. Der wichtigste be­troffene Bereich ist wohl das Beweisrecht, das bestimmt, welche Beweise Laienrichter bei ihrer Entscheidung berücksichtigen dürfen, und das daher großen Einfluß auf den Aus­gang der Prozesse haben wird, die mit der Beteiligung von Laien geführt werden.

Anhand einer rechtsvergleichenden Analyse des japanischen und australischen Rechts untersucht der Artikel mögliche Wege zur Reform des geltenden Beweisrechts in Japan. Er gibt einen Überblick über die wichtigsten Regelungen in beiden Ländern und arbeitet Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen ihnen heraus. Der Beitrag geht weiter auf mögliche Auswirkungen ein, die das geltende Beweisrecht auf das neue Laien­beteiligungssystem in Japan haben könnte. Zugleich wird der Einfluß des austra­lischen Uniform Evidence Acts auf das australische Jury-System untersucht. Die Ein­führung einer ähnlichen gesetzlichen Regelung wie des australischen Evidence Acts in Japan wird nicht befürwortet. Vielmehr wird der Schluß gezogen, daß Laienrichtern in dem­sel­ben Maße wie Berufsrichtern zugestanden werden sollte, Beweise zu bewerten, da das saiban-in System in Japan ja gerade eingeführt wurde, um den „gesunden Men­schen­verstand“ der Allgemeinheit in richterliche Entscheidungsprozesse einzubringen.

Zukünftigen Herausforderungen im Bereich des Beweisrechts sollte dadurch begeg­net werden, daß vor der eigentlichen Entscheidungsfindung gemeinsame Beratungen ein­ge­führt werden, um so die Laienrichter möglichst umfassend zu beteiligen und gleich­zeitig das Verfahren transparent und fair zu gestalten.

 (Übersetzung durch die Red.)


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