Integrating Alternative Dispute Resolution into Japanese Legal Education

Mayumi Saegusa, Julian Dierkes

Empfohlene Zitierweise: M. Saegusa / J. Dierkes, Integrating Alternative Dispute Resolution into Japanese Legal Education, in: ZJapanR / J.Japan.L. 20 (2005) 101–114.

Abstract


In diesem Beitrag untersuchen wir anhand der Vorlesungsverzeichnisse für die neue juristische Ausbildung, inwieweit alternative Streitbeilegungsverfahren als Lehrgegenstand in den japanischen Lehrplan mit aufgenommen werden. Die Untersuchung lehnt sich an die Erkenntnisse der Organisationssoziologie an, nach denen Organisationen in einem ungewissen institutionellen Umfeld eine starke Tendenz zu isomorphen Strukturen und Inhalten aufweisen. Da die Reform der juristischen Ausbildung in Japan nicht nur einzelne Handlungsweisen institutionell in Frage gestellt hat, sondern durch diesen legislativen Schock ein gesamtes Organisationsfeld in einen Umbruch geraten ist, erwarten wir besonders starke Trends zur Isomorphie. Gleichzeitig untersuchen wir aber auch, ob die Reaktionen auf den institutionellen Schock ungleich über eine Statushierarchie verteilt auftreten, ob nämlich gerade Organisationen von hohem und niedrigem, nicht aber von mittlerem Status, Innovationen aufnehmen.

Die Integration von alternativen Streitbeilegungsverfahren eignet sich für diese Untersuchung in besonderem Maße, da diese Verfahren generell mit nordamerikanischer Rechtspraxis assoziiert werden, also mit dem vermeintlichen Ursprung der Modelle juristischer Ausbildung, die den neuen Ausbildungsverfahren in Japan Pate gestanden haben soll.

Wie nach unserer Isomorphie-Hypothese erwartet, sind diejenigen Kurse, die auch alternative Streitbeilegungsverfahren behandeln, an den neuen Rechtsfakultäten stark vertreten. In den Vorlesungsverzeichnissen dieser Fakultäten finden sich für das erste Studienjahr 111 Unterrichtsangebote mit derartigen Inhalten. Die Kurse reichen von solchen, die sich explizit und exklusiv mit den Streitbeilegungsverfahren beschäftigen, bis hin zu solchen, z.B. oftmals im Zivilrecht, die die Streitbeilegungsverfahren nur zu einem von mehreren behandelten Themen machen. Überwiegend werden diese Kurse an Institutionen mit hohem Prestige und von Akademikern angeboten und nicht von den sogenannten Praktikern. Insbesondere die Kurse, die die Streitbeilegungsverfahren als solche zum Gegenstand haben, werden fast ausschließlich von Hochschullehrern angeboten.

Auf Grund unserer hier vorgestellten ersten Ergebnisse erwarten wir, dass sich die Tendenz zur Isomorphie in den nächsten Jahren weiter verstärken wird und so alternative Streitbeilegungsverfahren zu einem weit verbreitetem Thema in der juristischen Ausbildung werden. Wir verfolgen diese Entwicklung auch weiterhin empirisch und werden dabei durch eine genauere Messung der Integration von Streitbeilegungsverfahren (Biographien der Lehrenden, Umfang und Art der gelehrten Texte, etc.) besser aufzeigen können, wie der Prozess der Integration einer global legitimierten Rechtspraxis in Japan über die juristische Ausbildung stattfindet.


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