The “Roesler Model” Corporation

Roesler’s Draft of the Japanese Commercial Code and the Roots of Japanese Corporate Governance

  • Haruhito Takada
  • Masamichi Yamamoto

Abstract

In diesem Beitrag zeigen wir, dass die Besonderheit der japanischen Organisationsstruktur der Aktiengesellschaften bereits im ersten Entwurf des Handelsgesetzes auftauchte, den Hermann Roesler im 19. Jahrhundert verfasste. In Roeslers Entwurf wird das japanische Handelsrecht mit dem damaligen europäischen Handelsrecht verknüpft. Die von dem deutschen Wissenschaftler aufgezeichneten rechtlichen Regeln, auf welche die Japaner ihre neuen Ideen stützen sollten, waren aber in Japan nicht klar auszulegen.

Roesler wollte auf einen Aufsichtsrat, wie er das zweistufige Organisationsmo­dell kennzeichnet, für Japan verzichten, zum einen weil dieser in Deutschland damals seinen Aufgaben nicht gerecht wurde, und zum anderen weil ein solcher nicht an die japanische Praxis anzupassen gewesen wäre. Schließlich entwickelte sich die „Tradition“ in Japan, dass der Aufsichts- oder besser Prüferrat (kansa yakkai) nicht in die Geschäftsabläufe einbezogen wurde. Heute sind die kansa-yaku (Prüfer) ordentliche Mitglieder des Verwaltungsrats, obwohl sie kein Stimmrecht im Verwaltungsrat haben, und der Gesetzgeber ver­sucht, ihre Unabhängigkeit und Rechte auszubauen.

Es ist jedoch fraglich, ob man die Übung, in den Verwaltungsräten japanischer Aktiengesellschaften „keine Opposition zu äußern“, selbst bei starker Unterstützung durch das Gesellschaftsrecht überwinden kann. Deshalb sollte die Institution des außenstehenden, nicht geschäftsführenden Direktors (outside director), der Zugang zu den Informationen der Unternehmensleitung hat und an Entscheidungsprozessen teilnimmt und Widerspruch ausdrücken kann, eingeführt werden. Für Japan gilt das heute mehr noch als vor 135 Jahren, als der Roesler-Entwurf verfasst wurde. Wenn Roesler heute noch lebte, würde er noch­mals dasselbe Modell wählen?

Veröffentlicht
2018-05-07
Rubrik
Abhandlungen