Taking a Horse to Water?

Prospects for the Japanese Corporate Governance Code

  • John Buchanan
  • Dominic H. Chai
  • Simon Deakin

Abstract

In den Jahren 2014 und 2015 hat Japan eine Reihe von Reformen bezüglich seines Corporate Governance Regimes implementiert. Die wichtigsten umgesetzten Maßnahmen waren die Erstellung eines Corporate Gover­nance Kodexes, Reformen des Gesellschaftsrechts und die Einführung eines Steward­ship Kodexes; hinzu kam die Veröffentlichung eines Berichtes zur Wett­bewerbsfähigkeit des Landes und seines Wachstumspotentials (Itō-Bericht). Der Beitrag analysiert die Ziele dieser Reformen und evaluiert ihre Erfolgschancen, wofür die Verfasser sich auf Gespräche mit Entscheidungsträgern aus der japanischen Regierung, der Finanzwelt und der Industrie stützen. Sie untermauern ihre Analyse zunächst mit einer Untersuchung, was die Institutionentheorie zur Erklärung des Verhältnisses zwischen formellen und informellen Regeln und Praktiken sowie zur Nutzung unterschiedlicher Mechanismen zu dem Ziel beitragen kann, etablierte Strukturen zu ändern. Anschließend setzen die Verfasser sich mit der historischen Entwicklung des Corporate Governance Regimes in Japan seit dem frühen 20. Jahrhundert auseinander und untersuchen die Gründe für dessen aktuelle Einbettung und den offensichtlichen Widerstand gegen Veränderungen. Sie beobachten dabei, dass es in der Vergangenheit verschiedentlich Druck gegeben hat, der in einigen Fällen zu großen und in anderen zu keinen nennenswerten Veränderungen geführt hat. Der Betrag untersucht sodann die Art und Weise, in der die aktuellen Reformen geplant und umgesetzt wurden, deren Inhalt sowie die Einflüsse, welche diese gestaltet haben. Im Anschluss diskutieren die Verfasser die Methoden ihrer Feldforschung, für die sie in den Jahren 2016 und 2017 Interviews mit politischen Entscheidungsträgern, Managern aus den Unternehmen, Investoren und anderen interessierten Personen geführt haben. Sie benutzen die Interviews, um zu identifizieren, wie die Reformen konzipiert und anschließend rezipiert wurden.

Daran anschließend präsentieren die Verfasser ihre Einschätzung. Sie stellen die These auf, dass das japanische Corporate Governance Regime ungeachtet seiner tradierten institutionellen Einbettung, die bislang dem regulatorischen Druck der letzten Jahre zu Veränderungen widerstanden hat, nunmehr an einem seiner historischen Wendepunkte stehen dürfte. Ein wesentliches Element ist dabei die Einführung des „comply or explain“-Ansatzes in Japan, der diese Reform von anderen heraushebt. Das Vorhandensein einer unternehmensinternen „Compliance Struktur“ durch das mittlere Management unterhalb der Ebene des Verwaltungsrates, dessen Aufgabe es ist, Regulierungen zu interpretieren und letzterem in umsetzbarer Form zu präsentieren, erhöht die Wahrscheinlichkeit maßgeblich, dass große börsennotierte Unternehmen den Kodex annehmen. Der Stewardship Kodex hat das Potential, die Interessen institutioneller Investoren mit der Reformagenda der politischen Klasse zu verbinden. Die Politiker haben ein ungewöhnlich großes Engagement für den Reformprozess gezeigt und unterstützen diesen weiterhin kräftig. Gleichzeitig gibt es aber Hindernisse für eine uneingeschränkte Annahme des Corporate Governance Kodex gerade bei kleineren Unternehmen, denen administrative Ressourcen fehlen, und zudem hat die Kodex-Reform von 2018 einige doktrinäre Elemente eingeführt, welche im Gegensatz zu der Corporate Governance Praxis in den meisten japanischen Unternehmen stehen. Ferner gibt es Zweifel an der Eignung der Corporate Governance Reformen, die wirtschaftliche Wiederbelebung, welche die Politiker sich davon versprochen haben, zumindest kurzfristig zu realisieren. Damit bleibt es eine offene Frage, ob der Corporate Governance Kodex tatsächlich zu einer dauerhaften Änderung der japanischen Corporate Governance Praxis führen wird. Der Kodex hat deutliche Vorteile gegenüber früheren Reformversuchen, aber die Verfasser vergleichen die Reform gleichwohl mit dem sprichwörtlichen Versuch, „ein Pferd zum Trinken zu bewegen“, denn gleichgültig wie hoch der äußere Druck ist, wird er niemals zum Erfolg führen, wenn das Pferd nicht auch willens ist zu trinken.

(Die Redaktion)

Veröffentlicht
2019-05-21
Rubrik
Abhandlungen