Aktuelle Entwicklungen im Familienrecht

Scheidung, Sorgerecht, Umgang und Unterhalt sowie internationale Kindesentführung

  • Sabine Lentz

Abstract

Aufhänger des vorliegenden Aufsatzes ist die erhebliche mediale Kritik an der Umsetzung des Haager Kindesentführungsübereinkommens (HKÜ), dem Japan 2014 beigetreten ist. Der japanischen Justiz wird vorgeworfen, die Rückführung von Kindern, die von dem betreuenden Elternteil mit japanischer Staatsangehörigkeit nach Japan entführt werden, nicht entsprechend dem genannten Abkommen durchzusetzen.

Im vorliegenden Aufsatz werden nach einem kurzen Überblick über die japanische Familiengerichtsbarkeit und über die Eheschließung die Grundzüge des aktuellen Scheidungsrechts sowie der Folgesachen in Japan dargestellt. Der Schwerpunkt liegt dabei auf den Kindschaftssachen, dem Sorgerecht und dem Umgang. Die herausragende Bedeutung der einverständlichen, außergerichtlichen Scheidung und des Schlichtungsverfahrens wird dargestellt. Nur bei wenigen Scheidungen und Kindschaftssachen kommt es zu einem gerichtlichen Verfahren. In diesen ist bei den Kindschaftssachen die Rolle des familiengerichtlichen Untersuchungsbeamten bedeutsam, da das japanische Recht einen Verfahrensbeistand für die Kinder nicht vorsieht und ein Sachverständigengutachten nicht eingeholt wird.

Es wird weiterhin gezeigt, dass die Grundvorstellung des HKÜ, auch nach der Trennung den Kontakt der Kinder zu beiden Elternteilen zu wahren, dem japanischen Familienrecht nicht entspricht. Viele Kinder verlieren in Japan nach der Scheidung der Eltern den Kontakt zu dem nicht betreuenden Elternteil. Allerdings zeigt die stetig zunehmende Anzahl der Umgangsverfahren, dass viele nicht betreuende Elternteile den Abbruch ihrer Beziehung zu dem Kind nicht akzeptieren wollen. Vor diesem Hintergrund wird abschließend die Umsetzung des HKÜs in Japan dargestellt und bewertet.

Veröffentlicht
2021-06-24
Rubrik
Abhandlungen