Lessons from the Toshiba Scandal

A Corporate Governance Perspective

  • Bruce Aronson

Abstract

Der bedeutendste, langjährige Corporate-Governance-Skandal in der Geschichte Japans könnte endlich zu einem Abschluss kommen. Der Skandal um Toshiba ist aufgrund der Prominenz des Unternehmens in der japanischen Geschäftswelt und seiner frühen Bemühung um eine gute Corporate Governance- Struktur ein besonders schockierender Fall. Die Probleme begannen mit der Entscheidung Toshibas, in großem Umfang in das Kernenergiegeschäft in den USA zu investieren; eine Entscheidung, die zu erheblichen Verlusten führte, die jedoch nicht offengelegt wurden. Diese Probleme kamen 2015 ans Licht, als entdeckt wurde, dass Toshiba in den vorhergehenden sieben Jahren seinen Gewinn um fiktive 1,2 Milliarden US-Dollar (150 Milliarden Yen) überhöht ausgewiesen hatte. Ungeachtet dessen intensivierte Toshiba seine Nuklearstrategie noch durch den wirtschaftlich katastrophalen Kauf eines Kernkraftwerksbauers. Die gigantischen Verluste ließen Toshiba verzweifelt nach neuen Finanzierungen suchen, und es veräußerte im Wege einer Kapitalerhöhung ein großes Aktienpaket an rund 60 ausländische Fonds, darunter bekannte aktivistische Investoren. Dies führte zu jahrelangen Zusammenstößen zwischen dem traditionell geprägten Management von Toshiba, welches das Unternehmen als Gesellschaft erhalten wollte, und den Aktivisten, die selbiges an private Investoren verkaufen wollten. Trotz Verbesserungen der Corporate Governance- Struktur traten neue Probleme auf, und die Vorschläge von Toshiba, das Unternehmen in separate Einheiten aufzuteilen, wurden von den Aktionären abgelehnt. Unter wachsendem Druck prüft das Unternehmen nun Vorschläge von Private-Equity-Fonds zu strategischen Alternativen, einschließlich des Verkaufs des gesamten Unternehmens an einen privaten Investor. Ursprünglich wurden dafür zehn potenzielle Bieter ausgewählt, aber bis heute ist kein Verkauf zustande gekommen. Mit Bezug zur Corporate Governance können aus den Schwierigkeiten von Toshiba vier Lektionen gezogen werden: (1) Kein japanisches Unternehmen, unabhängig von seiner Bedeutung, ist immun gegen ein Corporate Governance- Versagen, da traditionell aufgestellte Unternehmen in einem sich rasch ändernden Marktumfeld jederzeit auf Schwierigkeiten stoßen können. (2) Die tatsächliche Arbeitsweise des Verwaltungsrates und des Managements ist weitaus wichtiger als die formale Corporate Governance-Struktur eines Unternehmens, denn als Reaktion auf ein geändertes Geschäftsumfeld kann dieses zu drastischen Maßnahmen gezwungen werden. (3) Japanische Unternehmensführungen können es sich nicht länger leisten, aktivistische Aktionäre zu ignorieren oder nicht fair mit ihnen umzugehen, da die Aktivisten heute auf die Unterstützung traditioneller institutioneller Investoren zählen können, wenn sie die Interessen aller Aktionäre verfolgen. (4) Das Zeitalter der Konglomerate ist (auch) in Japan vorbei, da Investoren verlangen, dass sich Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren. Alle vorstehend genannten Lektionen dürften globale Trends widerspiegeln, die jetzt Japan erreicht haben. Da die dortigen Unternehmen aufgrund der alternden Bevölkerung des Landes und des deshalb schrumpfenden Marktes weiter internationalisieren müssen, ist davon ausgehen, dass die stärker traditionell geprägten japanischen Unternehmen vergleichbare Probleme bei der Anpassung an ein sich schnell veränderndes Geschäfts- und Corporate Governance- Umfeld haben werden. Obwohl der Toshiba Fall auf den ersten Blick als ein extremes und außergewöhnliches Beispiel erscheinen mag, könnte er in diesem Sinne vielleicht doch der Vorbote eines anhaltenden Trends sein, gemäß dem sich die „Strafe“ für japanische Unternehmen erhöht, die ein schlechtes Management und eine schlechte Corporate Governance aufweisen.

(Die Redaktion)

Veröffentlicht
2022-12-08
Rubrik
Abhandlungen